am Walchenseeam Walchensee

„2014 fahr ich in die Alpen“ hab ich letztes Jahr gesagt, zunächst ohne konkreten Plan oder genaues Ziel. Aber dass ich da nun endlich mal hin muss, ins Gebirge, nachdem ich in den letzten Jahren zumindest diejenigen Mittelgebirge besucht habe, die in direkter Nachbarschaft greifbar sind, war klar. Vor ein paar Wochen dann – schon etwas weniger diffus – die Idee: „Über Ostern an den Gardasee“. Nun ist das zwar schnell gedacht und leicht gesagt, um diese Jahreszeit jedoch nicht unbedingt selbstverständlich: Viele Pässe sind im April noch gesperrt und ob das Wetter mitspielt, ist fraglich. Wie Friedrich gemeint hat: die Wetterberichte für die Alpenländer beobachten und dann erst kurz vorher entscheiden, ob man fährt oder nicht.

Gesagt, getan: beobachtet, gelesen, Wetterberichte geprüft und Webcams gecheckt, bisschen nachgedacht – aber ehrlich gesagt stand mein Entschluss schon Wochen vorher fest: Ich fahr da hin. Und ums gleich vorwegzunehmen: Es war großartig. Anstrengend, beeindruckend, kalt (aber nicht dauernd und nicht zu sehr), interessant und … naja, einfach geil, muss man mal so sagen. Ich glaube, ich habe weder die Alpen, noch das Motorradfahren in dieser Intensität vorher schon mal so erlebt. Schwer zu beschreiben, ist aber so. Und das nicht trotz Jahreszeit und Witterung, sondern genau deshalb. Jetzt aber der Reihe nach:

Freitag

Die AnreiseDie Anreise

Für mich beginnt eine Tour nicht erst bei im Zielgebiet, sondern schon bei der Anreise, Autobahn war also keine Option. Da ich mich bei der Planung aber auf die Alpen konzentrieren wollte, hab ich mir für die Anreise in den Süden am Freitag und die Rückfahrt am Montag ein bisschen Hilfe geholt: In der Motorrad, Ausgabe 16/2012, gabs unter der Überschrift Die schönsten Strecken in die Alpen ein paar Tourenvorschläge, an denen ich mich orientiert habe (größere Kartenansicht hier). Und das hat sich gelohnt: Es hat zwar keine zwei Stunden gedauert, bis ich den Regenkombi drüberziehen musste, aber diese Strecken haben auch bei Regen Spaß gemacht. Alleine die Vorstellung, bei diesem Wetter (Regen fast den ganzen Tag) stundenlang eine Autobahn runterzuschrubben, mit eingezogenem Kopf immer geradeaus und direkt im Spritzwasser der vorausfahrenden Autos … das Grauen. Nein, statt dessen gabs wirklich sorgfältig recherchierte Strecken „hintenrum“, durchs Grüne, durch Wälder, mit Kurven und Kühen und allem, was auf dem Mopped Spaß macht, selbst im Regen.

am Walchenseeam Walchensee

Fotos von der Fahrt am Freitag gibts nur wenige, obwohl ein paar sehr sehenswerte Fleckchen dabei waren. Ich war mal wieder zu sehr beschäftigt mit durchgeweichten Handschuhen und – ein paar Stunden später – dann auch mit Wassereinbruch im Regenkombi, der sich zwar insgesamt tapfer hält bei solchen Tauchfahrten, irgendwann dann aber doch die weiße Fahne schwenkt.

Dafür gibts ein paar Fotos mehr von meinem Tagesziel. Einem Ort, der mich aufs Angenehmste überrascht und für den ganzen Regen entschädigt hat: 

Der Gasthof Kronburg in Zams (Tirol). Man verlässt die Bundesstraße und schlängelt sich über ein ebenso enges wie kurvenreiches Sträßchen den Berg hinauf. Die Straße endet dort oben, es gibt also keinen Durchgangsverkehr. Und dieser Ort ist auch sonst ein Ort der Ruhe: der Gasthof, eine Kapelle, das Klösterle der Barmherzigen Schwestern Zams, am Fuß eines Felsens, auf dem die Ruine der Burg Kronburg steht. Wenn ich mal irgendwann den Wunsch habe, ein paar Tage nichts als Ruhe und Natur um mich zu haben, dann wäre dieser Ort weit oben auf meiner Liste der möglichen Refugien.

KronburgKronburg
KronburgKronburg
KronburgKronburg

Und so wie der Ort war auch die Atmosphäre im Gasthof, wobei „Gasthof“ hier schon fast ein wenig irreführend ist; die Ausstattung dieses Hauses entspricht eher der eines gehobenen Konferenzhotels: ein ausgesprochen freundlicher Empfang (für jemanden, der im nassen und versifften Regenkombi hereingestapft kommt), ein fabelhaftes Abendessen, ein geschmackvoll und komfortabel eingerichtetes Zimmer und vor allem: ein lange, heiße Dusche zum Auftauen.

In einem der Informationsheftchen, die dort auslagen, habe ich ein Zitat gefunden, das zwar nicht unbedingt mit meiner Tour, dafür aber viel mit diesem Ort zu tun hat:

Ein alter Mann konnte stundenlang in der Kirche sitzen. Eines Tages fragte ihn ein Priester, worüber Gott mit ihm spräche. „Gott spricht nicht. Er hört nur zu“, war die Antwort. „Was redest Du denn mit ihm?“ „Ich spreche auch nicht. Ich höre nur zu.“
(Anthony de Mello)

weiterlesen:
→ Über Ostern zum Gardasee, Teil 2: Osterpässe und Ruhe im Hafen
→ Über Ostern zum Gardasee, Teil 3: blauer Himmel und Höhenmeter